Von Lampedusa bis nach Neustadt. Alles das Gleiche!? – Brief eines Refugees

Ich heiße F., bin 26 Jahre alt, und komme ursprünglich aus Aserbaidschan. In Deutschland lebe ich seit Juni 2012 in einen Asylheim in Neustadt an der Weinstraße. Ich möchte Ihnen erzählen unter welchen Umständen ich hier lebe!

Die Verpflegung und Unterbringung in diesem Heim ist eine Zumutung. Hier lebt man mit bis zu 4 Personen eingefercht in einem Zimmer. Zum Teil sind die Heimbewohner schwer krank (Tuberkolose, Hepatitis A, etc.). Die Speisen sind zu großen Teilen verdorben und werden über mehrere Tage erneut aufgetischt bzw. angeboten. Nicht nur das Essen ist ungenießbar, man muss auch viele Lebensmittel (z.B. Butter, Zucker, etc.) aus eigenen Mitteln bestreiten. Hierfür hat man insgesamt 130 € für Hygeneartikel, Medikamente, Kleidung etc. zur Verfügung.

Seit ich in diesem Heim lebe, leide ich unter starken körperlichen Gebrechen wie z.B. nervösem Magenleiden oder schweren Ausschlägen.

Alle Versuche anderwertig untergebracht zu werden, scheiterten an den Behörden. Vorraussetzung für eine bessere Wohnsituation wäre, das man als 1€-Jobber ohne Fehltage über einen längeren Zeitraum beschäftigt ist.

Praktisch seit dem ersten Tag meines Aufenthaltes in Deutschland arbeite ich als 1€-Jobber. Ich habe als Umzugshelfer, bei Haushaltsauflösungen und Entrümpelungen gearbeitet. Diese Tätigkeiten mussten ohne ausreichende Schutzausrüstung bzw. Bekleidung ausgeführt werden. Die zu entrümpelnden Wohnungen waren zum Teil in solch schlechten Zustand, dass es unmöglich war ohne Folgebeschwerden, wie wochenlangen Husten, davon zukommen. Das machte eine fehltagfreie Beschäftigung unmöglich.

Auch die Tatsache, dass mir vor einiger Zeit durch einen Arzt eine schwere Depression diagnostiziert wurde und ich zeitweilig starke Medikamente (Antidepressiva) nehmen musste. Dies wurde durch den zu behandelnden Arzt attestiert. Dieser bat in Form eines Schreibens auch das Sozialamt, wenigstens meine Wohnsituation zu verbessern. Dieses wurde von dem Sozialamt ignoriert und man hat mir wieder, und wieder, erklärt, dass eine Wohnung für mich nur möglich ist, wenn ich einen 1€-Job ohne Fehltage mache.

Wenn ich den 1€-Job nicht regelmäßig getan habe(aus gesundheitlichen Gründen) hat man mir teilweise oder ganz mein Sozialgeld gestrichen.

Auch habe ich oft bei dem Sozialamt darum gebeten einen Übersetzer zu holen, damit ich alles erklären kann. Das tat ich, da ich das Gefühl habe, das ich nicht nur, nicht verstanden werde, sondern das man meine Situation auch nicht ernstnimmt. Auch dieses wurde abgelehnt.

Mittlerweile lebe ich nun, als einer der wenigen, mehr als ein Jahr in diesen Heim. Ich bin auf die Verpflegung und Versorgung in dem Heim angewiesen. Teilweise sitze ich ohne einen Cent in der Tasche, sodass ich mir nicht mal neue Unterwäsche kaufen kann. Als ich das Sozialamt gebeten habe mir wenigstens dafür ein wenig Geld zu geben hat man mich an das Rote Kreuz verwiesen.

Insgesamt sind die Behörden, als auch die Betreuung im Asylheim, mir gegenüber sehr unkooperativ und sogar beleidigend.

Es ist oft vorgekommen, dass ich mit leeren Magen zur Arbeit gehen musste, da die Hauswirtschaftlerin teilweise erst um halb acht ins Heim kam um das Frühstück vorzubereiten, ich aber um sieben schon zur Arbeit musste!

Kürzlich (Donnerstag 26/09/2013) ist die Verpflegungssituation eskaliert. An diesem Tag habe ich mich bei der Hauswirtschaftlerin über das erneut aufgetischte (vom Vorabend) verdorbene Brot beschwert. Daraufhin wurde das Sozialamt informiert. Der zuständige Betreuer vom Sozialamt erklärte mir, dass ich ab sofort jeden Monat 150€ für die Verpflegung bekommen würde. Damit könne ich mich selbst verpflegen. Das aber nur unter der Voraussetzung, dass die Zubereitung meiner Mahlzeiten nicht in der Küche des Asylheimes erfolgt. Mit der Hoffnung auf frische Speisen und keine Magenbeschwerden mehr, erklärte ich mich einverstanden.

Doch anscheinend fühlte sich die Hauswirtschaftlerin durch meine Beschwerde so sehr beleidigt, dass sie wenig später damit anfing mich zu bedrohen und zu beleidigen (auf türkisch, welches ich sehr gut spreche und verstehe). Die Situation eskalierte erneut. Als dann auch noch die Polizei hinzugerufen wurde und ich dank mangelnder Deutschkenntnisse mich verbal nicht zur Wehr setzen konnte, hat man mich des Asylheims verwiesen und über die Mitarbeiter des Sozialamtes erklärt, dass ich nicht mehr das Recht habe, mich in einen Asylheim aufzuhalten.

Nur wenn ich mich in Anwesenheit des Sozialamtes bei der Dame sowohl mündlich als auch schriftlich entschuldige und diese meine Entschuldigung annimmt, darf ich wieder ins Heim zurück. Erneut stand ich da und konnte mich wieder wehren noch erklären.

So bin ich seit einer Woche praktisch obdachlos. Das Sozialamt hat mir 14€ Taschengeld gegeben und hat mich des Heimes verwiesen.

Viele Asylbewerber die mit mir diese Probleme über ein Jahr lang mit dem Sozialamt und mit der Verpflegung im Heim mitbeobachtet und geteilt haben, hatten „das Glück“ schnell eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen oder auf Grund von schwerer Krankheiten eine eigene Wohnung zugewiesen zu bekommen.

Ich bin völlig hilflos in einem Land, welcher Sprache ich nicht mächtig bin.

Nur durch die Hilfe eines entfernten lebenden Freundes war es überhaupt möglich dies in deutscher Sprache zu Papier zu bringen.

Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Vielleicht haben sie ja Interesse an meiner Geschichte. Ja, vielleicht können Sie mir ja sogar helfen.

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One Response to Von Lampedusa bis nach Neustadt. Alles das Gleiche!? – Brief eines Refugees

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